23. August 2017 / Bettina Dürr, Fachgruppe International

Das etwas andere Sommerlager: die dänische Interrail-Schatzsuche

FDF, die dänische Partner-Jugendorganisation der Jubla, ging diesen Sommer mit 100 Teilnehmenden in ein Interrail-Sommerlager quer durch Europa. Inklusive Zelten. Ja, du hast richtig gehört, inklusive Zelten. Mitte Juli verbrachte die Gruppe drei Tage im Emmental, wo die Fachgruppe International von Jungwacht Blauring Schweiz ihnen einen Zeltplatz organisiert hatte. Für Inspiration für ein Sommerlager der etwas anderen Art bitte weiterlesen.

Interrail im Sommerlager

Wie organisiert man ein Interrail-Sommerlager mit 100 Teilnehmenden quer durch Europa? Und wie funktioniert es, wenn man dann unterwegs ist? Wir haben vor, während und nach dem Lager mit Gitte Jensen, einer der Organisatorinnen, gesprochen.

Anzahl Teilnehmende: 100
Anzahl Leitende: 9
Besuchte Länder: Rumänien, Ungarn, Liechtenstein, Schweiz und Belgien
Dauer: zwei Wochen
Kosten: 700 Euro pro Person

Vorher: Die Vorfreude

FG International: Wer hatte die Idee für ein Interrail-Sommerlager?

Gitte: Das internationale Komitee von FDF führte das Interrail-Lager zum ersten Mal durch. Seither machen wir es jedes 3. Jahr. Dieses Jahr war die 4. Ausführung.

Wer organisiert das Lager und wer kommt mit?

Das Lager wird von einem speziellen Komitee, das aus neun FDF-Leitenden besteht, organisiert. Für das Lager konnten sich Gruppen junger FDF-Mitglieder im Alter von 15 bis 25 anmelden. Von den 3 bis 6 Gruppenmitgliedern muss eine Person volljährig sein und die Verantwortung für die Gruppe tragen. Obwohl wir nicht viel Werbung gemacht haben, meldeten sich in kurzer Zeit 200 Personen und wir mussten davon 100 Teilnehmende aussuchen.

Was ist der komplizierteste Teil der Planung?

Die Koordination der Platzreservationen in den Zügen und der Unterkünfte – die Aktivitäten können wir spontan anpassen.

Was glaubst du wird der beste Teil des Lagers?

Scharen in anderen Ländern treffen, mit welchen wir den kulturellen Austausch geniessen.

Was glaubst du wird der schwierigste Teil des Lagers?

Es könnte Probleme mit den Zügen geben, wir könnten ausgeraubt werden oder die Teilnehmenden könnten ihre Interrail-Tickets oder Ausweise verlieren – das sind unsere Albtraum-Szenarien.

Während: Das Chaos

Hochmotivierte Teilnehmende machen das Leiten einfacher
Hochmotivierte Teilnehmende machen das Leiten einfacher

Ihr habt es ins Emmental geschafft – lebst du noch?

Ja, wir sind froh, dass wir so weit gekommen sind. Jetzt, da wir in der Schweiz sind, werden wir es schaffen!

Wie funktioniert euer Abenteuer bis jetzt?

Wir waren bereits in Rumänien und Ungarn. Der Anfang der Reise war sehr chaotisch, da wir Probleme mit den Zugverbindungen hatten. Wir organisieren jeden zweiten Tag Aktivitäten zum Motto – die Geschichte der Schatzsuche, auf der wir uns befinden, entwickelt sich immer weiter. An den restlichen Tagen offerieren wir Ausflüge, Spiele oder andere Aktivitäten, bei welchen die Teilnehmenden entscheiden können, bei was sie mitmachen. Momentan wandern sie quer durch Liechtenstein und machen sich dann auf den Weg zum Zeltplatz im Emmental.

Gab es bis jetzt Überraschungen, der guten oder schlechten Art?

Viele Leute waren extrem hilfsbereit, wie der Bauer hier auf dem Lagerplatz. Andere waren genau das Gegenteil, wie z.B. die Kondukteure, die die Verantwortung nicht übernehmen wollten, als wir Probleme mit unseren Zugverbindungen hatten.

Wie geht es den Teilnehmenden?

Sie machen super mit. Sie sind sehr selbstständig – jede Gruppe kocht zum Beispiel für sich selbst. Vor allem in stressigen Situationen verhalten sie sich immer genau richtig, was es für uns Leitende einfacher macht.

Und den Leitenden?

Die ersten fünf Tage waren sehr hart, aber wir hatten seither Zeit, uns zu entspannen. Jetzt ist es weniger hektisch für uns.

Nachher: Schöne Erinnerungen

Wie waren die Rückmeldungen der Teilnehmenden?

Nach einer Nachtaktivität in Brüssel gingen wir auf den Zug zurück nach Dänemark. Nach ein paar Stunden Schlaf weckten sie uns auf mit Kommentaren wie «In dieser Situation dachte ich einfach: meinen sie es ernst, dass wir das jetzt machen werden?» oder «Ich habe keine Ahnung, wie ihr geschafft habt, das zu planen!». Für viele war es eine super Erfahrung und sie werden sich sicher noch lange daran erinnern.

Was war der Höhepunkt des Lagers?

Mein persönlicher Höhepunkt war eine einfache Motto-Aktivität in Cluj in Rumänien. Die Teilnehmenden mussten in einem Park Papierschnipsel mit QR-Codes finden. Die Leitenden gaben gleichzeitig einzelnen Teilnehmenden geheime Tipps. Alle Teilnehmenden machten mit voller Energie mit um das Spiel zu gewinnen. Gleichzeitig hatten sie keine Ahnung, dass alle Teilnehmenden die geheimen Tipps erhielten. Was dieses Spiel mir zeigte war, wie wenig es braucht, um 100 Leute zu unterhalten, wenn sie alle motiviert sind, bei einem Spiel mitzumachen. Um das geht es bei FDF.

Was würdest du nächstes Mal anders machen?

Wir haben im Leitungsteam besprochen, dass wir die Essensausgabe nächstes Mal besser organisieren müssen. Es ist nicht einfach, wenn 100 Leute das Gekaufte sofort teilen, und man nie mehr Essen einkaufen und bis am nächsten Tag aufbewahren kann.

Auch müssen wir uns vor dem nächsten Trip überlegen, wie wir mit dem Altersunterschied der Teilnehmenden besser umgehen. Manche sind mit 15 noch sehr jung und brauchen Unterstützung des Leitungsteams, während andere gleich alt sind wie wir Leitenden und erwarten, dass wir sie wie Erwachsene behandeln.

Anstatt ein klassisches Zeltlager sieht es eher wie ein Openair aus - weitere Fotos auf Instagram #fdfjagten
Anstatt ein klassisches Zeltlager sieht es eher wie ein Openair aus - weitere Fotos auf Instagram #fdfjagten

Was für Tipps hast du für Leitende, die ein ähnliches Lager organisieren wollen?

Früh anfangen zu organisieren, so schnell wie möglich Plätze reservieren, mit Interrail einen Gruppendiscount aushandeln – und sich lieber früher als später auf eine Route festlegen. Und nicht zwei Nachtzüge in zwei aufeinanderfolgenden Nächten buchen!

Wie hat euch FIMCAP bei der Organisation des Lagers geholfen?

Wir konnten das FIMCAP-Netzwerk in Europa benutzen, um Kontakte zu Jugendorganisationen in den verschiedenen Ländern herzustellen. Die Fachgruppe International von Jungwacht Blauring Schweiz half uns zum Beispiel, einen Zeltplatz zu finden, stellte den Kontakt mit Scharen vor Ort her – und half uns schlussendlich auch mit anderen Aspekten des Lagers, wie beim Kommunizieren mit dem Bauern.

Für weitere Auskünfte zum Interrail-Abenteuer von FDF oder allgemein zu internationalen Lagern, melde dich bei der Fachgruppe International.

Infobox

Jungwacht Blauring Schweiz ist Mitglied bei FIMCAP, der internationale Dachverband für Katholische Jugendorganisationen. Die Fachgruppe International vertritt in diesem Gremium Jungwacht Blauring Schweiz, tauscht sich mit anderen Mitgliedsorganisationen aus und lässt deren Erfahrungen und Wissen in die Jubla zurückfliessen. Wenn eine Jubla-Schar Interesse an einem Lager im Ausland hat, steht die Fachgruppe International zur Verfügung, um die Kontakte zu Jugendorganisationen im entsprechenden Land herzustellen. Besonders in Europa steht allen Jubla-Mitgliedern ein grosses Netzwerk zur Verfügung. Zudem finden jedes Jahr internationale Lager, Kurse und Veranstaltungen statt, an denen Jubla-Mitglieder teilnehmen können.


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Weitere Informationen und regelmässige Neuigkeiten findest du unter jubla.ch/international oder unter facebook.com/jublainternational.