07. Februar 2017 / Laura Bisang, Flavio Schmidig, Olivia Clerc, Jubla-Leitende

Der perfekte Tag auf den Philippinen?

Drei Wochen waren Laura Bisang, Flavio Schmidig und Olivia Clerc auf den Philippinen unterwegs. In drei Chiro-Leitungskursen packten sie an und lernten dabei Land, Menschen und Kultur kennen. Wie sie den perfekten Tag auf den Philippinen beschreiben würden? Das überlassen sie ganz deinem Geschmack. Geschichten haben sie genügend auf Lager. Finde mit dem Entscheidungsbaum heraus, welche davon für dich am passendsten ist.

Der Entscheidungsbaum

Fragen zu deiner Entscheidung

1. Sollte dein Ausflug etwas Geplantes mit etwas Interessantem über die Kultur in den Philippinen oder doch eher eine spontane Überraschung sein?4. Erörtern wir die Unterschiede zwischen der Kultur in den Philippinen und der Schweiz oder die Unterschiede der Jubla und der Chiro?
2. Möchtest du an einem Treffen bei den Lagerfeuern von Cebu mitdiskutieren oder lieber eine Massage in Cebu geniessen?5. Verzaubern dich die blinkenden Strassenverzierungen und die kreativen Kunstobjekte oder lässt du dich in einen philippinischen Gottesdienst mit Gesang entführen?
3. Los! Mit dem Triskad auf zum Balut essen! Oder doch besser mit dem Habal Habal an den Strand von ____?6. Huii, nach dem «Sünnele» geht’s in die Chocolate Hills oder zu einer Neujahrsparty der anderen Art?

6 Geschichten – je nach Entscheidung

Ausbildung

Am 25. Dezember machten wir uns auf den Weg in die Philippinen, um vor Ort Chiro-Kurse mitzuleiten. Ähnlich wie in unseren GLK und SLK bildet der Kinder- und Jugendverband Chiro Philippinen so seine Leitenden aus. Genau so unterschiedlich unsere Backgrounds an Leitungserfahrung waren, fanden wir auch den «Erfahrungsrucksack» der Teilnehmenden vor. Es war ein Abenteuer. Ein Stückchen ins Ungewisse. Denn auch nach mehreren Schilderungen, was uns erwarten mag, kommt nichts dem effektiv Erlebten auch nur annähernd so nahe. (Wie so oft bei den wirklich tollen Sachen.)

So waren unsere Kurse geprägt von flexibel umdisponieren, fertig vorbereiten, leiten, auswerten und verbessern. Und dies alles zur gleichen Zeit – denn man erhält ja keine zweite Chance. Für uns war es schwierig abzuschätzen, welche Themen die Teilnehmenden wirklich ansprechen. Dies führte zu einer etwas anderen Blockgestaltung. Schlussendlich bereiteten wir mehrere Ideen vor. Sobald die jungen Leitenden auf eine Frage anbissen, bauten wir darauf auf.

Ja, es war eine Herausforderung, aber eine, die enorm Spass machte. Wir haben versucht, allen Personen und Ebenen Rechnung zu tragen und trotz allen nicht die Teilnehmenden zu vergessen. Mit jedem erlebten und geleiteten Block gelang es uns besser zu eruieren, was die Chiro sich wünschen und brauchen. Trotz allem Spass – die Sprachbarriere war nicht unter den Teppich zu kehren. Wer soll schon unser mühsames schweizerdeutsch-Akzent-Englisch verstehen? So verzichteten wir kurzerhand auf lange Reden und visualisierten alles, was irgendwie visualisiert werden konnte. Die «jungen» Chiro wurden denn auch vielmehr zu Mitgestaltenden als blossen Zuhörenden.

Bewusst wurde uns ausserdem, was für ein Privileg es ist, vom Bund/J+S finanziell unterstützt zu werden. Die Chiro-Kurse dauern 2 bis 4 Tage und werden hauptsächlich durch mühsam erarbeitete Sponsorenbeiträge finanziert. Nicht alle Leitenden können sich die Hinfahrt leisten. Unter solchen Umständen sind Entscheidungen über priorisierte Inhalte von ganz anderem Kaliber. Wir werden auf jeden Fall Dauer und Möglichkeiten in unseren Kursen wieder vermehrt geniessen und nicht mehr nur als selbstverständlich ansehen.

Alles in allem war der Besuch eine geniale Erfahrung. Wir nahmen viel für uns mit.

mitbestimmen

Bevor es los geht mit der Erzählung zum Grundsatz «mitbestimmen» müssen wir zuerst noch einen Unterschied zwischen den Philippinen und der Schweiz klar stellen: Unsere westliche Gesellschaft ist geprägt von Individualismus. Wir definieren uns über uns und nicht über unser Umfeld. In den Philippinen trifft man auf genau das Umgekehrte. Man definiert sich über sein Umfeld. Die Gemeinschaft ist enorm wichtig und stellt den Mittelpunkt dar. Dadurch entsteht eine unglaubliche Gastfreundschaft, eine Höflichkeit sowie auch ein ganz anderes Verständnis von Glauben.

Betrachten wir nun «mitbestimmen» aus dieser Perspektive, wird klar, dass Entscheidungen zum Wohle der Gruppe getroffen werden. So ist die Leitung bei den Chiro hierarchischer geregelt als bei uns. Nichtsdestotrotz haben wir sehr oft miterlebt, dass der/die «Chef/in» mehr Mühe hatte die Bedürfnisse der andren zu erkennen als seine Entscheidung schlussendlich durchzusetzen. Sozusagen ein stilles Mitbestimmen.

Sobald man die Bedürfnisse der Gruppe über die eigenen stellt, führt es jedoch auch dazu, dass man es immer und überall allen Recht machen möchte. Sei das beim Essen kochen, Spiele auswählen oder der Freizeitgestaltung. Entweder wurden die zwischenmenschlichen Probleme sagenhaft gut vor uns versteckt oder es gab tatsächlich keine. Kein Gezicke, keine neidischen Blicke und schon gar keine lautstarken Auseinandersetzungen.

Diese Unterscheide zwischen der Schweiz und den Philippinen führten auch dazu, dass man das eigene Mitbestimmen zu hinterfragen beginnt. Ein Beispiel: Angenommen mein Gegenüber möchte es allen recht machen. Äussere ich nun meinen Wunsch, sprich beginne mitzubestimmen, fasst mein Gegenüber dies nicht als meine Meinung auf, sondern setzt meinen Wunsch nullkommaplötzlich um. Das führt sofort zu Stress.

Es ist aber auch extrem schön, Teil eines solchen Gruppengefühls zu sein. Gerade dass die Gesellschaft im Mittelpunkt steht, führte zu vielen unglaublich herzlichen und familiären Momenten.

 

kreativ sein

Bei unserer Ankunft am 3. Weihnachtstag in Cebu wurden wir von mehreren Leitenden aus dem Kurs-Team empfangen und zum «Kurshaus» geleitet. Während der Taxifahrt konnten wir die unzähligen blinkenden Weihnachtsbeleuchtungen bewundern, die sich durch die ganze Stadt zogen. Auch vor dem Seminar, in welchem wir unseren Kurs durchführten, durften wir einige Weihnachtbäume bestaunen. Jedoch waren diese Weihnachtsbäume nicht echte Tannen wie wir es uns hier zu Lande gewohnt sind, nein diese Weihnachtsbäume waren ganz besonders. Alte PET-Flaschen, Alufolie und viele weitere Abfallprodukte wurden kurzerhand zu wunderbaren Weihnachtsbäumen umfunktioniert. Dies zeigt, dass man dank Kreativität und Geschick auch aus einfachen Mitteln etwas Tolles gestalten kann.

Während dem Kursleiten durften wir nicht nur die Einfälle der Philippiner/innen bewundern, sondern mussten auch selbst unsere Kreativität unter Beweis stellen. Wir sind es uns gewohnt, dass unsere geplanten Blöcke meistens so durchgeführt werden, wie wir sie vorbereiteten. Klar gibt es immer kleine spontane Anpassungen, aber grössten Teils läuft alles nach Plan. Auch für diese Kurse haben wir drei unserer Blöcke vorbereitet, besprochen und überarbeitet. Doch war nicht immer alles so wie gedacht und so mussten wir oft auch mal unsere Spontanität unter Beweis stellen. So kam es, dass wir wegen zeitlichen Engpässen unsere Blöcke auf den nächsten Tag verschieben oder kürzen mussten. Verspätungen sind in den Philippinen nichts Ungewöhnliches und im zweiten Kurs erstaunte uns so etwas kaum noch. So lernten wir auch, effizienter zu arbeiten. Und mal ganz ehrlich: Das Ganze etwas entspannter anzugehen schadet nun wirklich nicht.

Während unserem gut zweiwöchigen Aufenthalt auf den Philippinen haben wir viel von den fröhlichen, offenen und zugleich interessierten Filipinos und Filipinas lernen dürfen. Trotz allem Üben jedoch, beherrschen wir bis heute etwas niemals so gut wie so: das Selfie. Weder der Kamerahalt noch der Gesichtsausdruck stimmt bei uns. Für die Filipinos/Filipinas ist dies jedoch ein Leichtes – jeder wichtige Moment wird mit einem Selfie festgehalten. Bald stellten wir fest – mit dem Waki-Gesicht (Bezeichnung für Grimasse) ersparen wir uns einen Krampf der Gesichtsmuskulatur. Man muss sich auch bei solchen Herausforderung zu helfen wissen.

Glauben leben

Unsere Unterkunft für den ersten Kurs war ein Seminar für angehende Priester. In Baguio, wo der zweite Kurs stattfand, durften wir ebenfalls in einer kirchlichen Einrichtung übernachten. So war es klar, dass am Ende jedes Kurses eine Messe gehalten wurde. Auch am Silvesterabend stand eine Messe auf dem Programm. Obwohl diese in Tagalog oder Englisch stattfand, war für uns vieles bekannt. Trotz räumlicher und zeitlicher Distanz seit Magellan den katholischen Glauben auf die Philippinen brachte, blieben die Werte und Traditionen erhalten.

Während den Kurstagen ging es bereits vor dem Frühstücken mit dem traditionellen Morning-Prayer los. Dieser gestaltete sich immer anders. Mal wurde gemeinsam über eine bestimmte Bibelstelle diskutiert, mal machte sich jede/r für sich Gedanken. Das ist etwas, was wir in unseren Kursen so nicht kennen. Auch dass vor dem Essen gemeinsam gebetet wird, war neu für uns. Beeindruckend ist dabei, dass alle und damit meinen wir wirklich jede/n einzelne/n Teilnehmer/in mitsingen oder beten kann, obwohl die Scharen teilweise sehr weit entfernt voneinander leben.

Jeden Abend gab es dann vor oder nach dem Abendprogramm noch einen Evening-Prayer. Im Gegensatz zu den Morning-Prayers war dieser meist besinnlicher und nachdenklicher gestaltet – mit Kerzen und Kreuz. Ein Erlebnis, das uns besonders in Erinnerung blieb, war, als wir alle gemeinsam in einem grossen Kreis sassen und eine Kerze die Runde machte. Jene Person, die die Kerze in den Händen hielt, durfte sich so lang wie sie mochte Zeit nehmen, um zu beten. Selbst nach einer Stunde wurde niemandem ein böser Blick zugeworfen, wenn die Kerze etwas länger in den Händen gehalten wurde. Sich wirklich die Zeit nehmen, über das Leben, die Welt oder die eigene Haltung gegenüber dem Glauben nachzudenken, machen wir selten. Diese Zeit, die wir uns zu Hause kaum nehmen, konnten wir während unserer Reise nachholen. Für uns alle ist das etwas, was wir auch hier wieder öfters machen wollen. Sich Zeit nehmen, über diese Dinge nachzudenken ohne Stress oder Zeitdruck.

Für uns ist der Glaube etwas sehr persönliches, was wir nicht mit allen teilen. Im Gegenzug wird der Glaube bei den Chiros gemeinsam zelebriert und gelebt. Es wird gesungen, gebetet und miteinander geteilt. Was wahrscheinlich mit ihrer offenen, kommunikativen und herzlichen Art zusammenhängt. Für die Filipinos und Filipinas ist das Zusammensein und die Gemeinschaft sehr wichtig und ein zentraler Teil ihres Lebens.

Natur erleben

Nach der Ankunft in Cebu empfing uns auch noch um 2 Uhr morgens eine feuchtwarme Luft mit heissen Temperaturen. So begleiteten uns Temperaturen zwischen 25 und 30°C auf dem ersten Teil unserer Reise in Cebu, Bohol und Manila. Doch nicht überall empfingen uns klebrige und schwitzige Zustände. Sobald man eine Mall oder einen Supermarkt betritt, fühlt man sich dank überaktiver Klimaanlage wie im Kühlschrank. Auch auf der längeren Busfahrt von Manila nach Baguio und wieder zurück, durften wir uns über kühle Temperaturen freuen, die Pulli, Schal und beinahe Handschuhe verlangten.

Auf unserer Reise während den wenigen Tagen zwischen den Kursen sahen wir viele unterschiedliche Landschaften und Orte. Die Grossstadt Manila mit vielen Autos im Stau, ein gemütlicher Strand mit Meer und Palmen, die aktive Kleinstadt Danao, kleine Dörfer, die kurvige Bergstadt Baguio und vieles mehr. Um all diese Orte erkunden zu können, haben wir die unterschiedlichsten philippinischen Fahrzeuge getestet. Ein «Jeepney» (kleiner, farbiger Bus mit Platz für ca. 16 Personen, wenn nötig natürlich auch mehr), ein «Tricycle» (ein Motorrad mit kleinem Wagen nebendran, Platzangebot für mehrere Personen, je nachdem wie eng und kuschlig man es mag), ein «Trisikad» (das Pendant zum Tricycle, einfach nur mit Ein-Mann-Pedal-Antrieb), ein «Habal Habal» (ein ganz normaler Roller, wie in der Schweiz, nur mit bis zu 3 bis 5 Personen beladen), dann natürlich noch die bekannten Fortbewegungsmittel wie Taxi, Bus, Flugzeug und Fähre. An Silvester testeten wir bis auf das Flugzeug und die Fähre alle oben erwähnten Transportmittel.

Und schliesslich bleiben uns auch die nächtlichen Besuche von Isolde in Erinnerung. Leider haben wir sie nur einmal leibhaftig gesehen. Ansonsten durften wir am Morgen die Resultate ihrer Hungerattacken betrachten: ein angeknabbertes Necessaire und zwei grosse Löcher in der Wand über dem Bett – Natur pur.

zusammen sein

31. Dezember 2016. Ein Erlebnis:

Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir zusammen mit Vinz Danao City (ca. 40 km nördlich von Cebu City an der Küste von Cebu). Er nahm uns für den Silvesterabend mit zu sich nach Hause. Dort wurden wir von seiner Mutter, seiner Cousine und seinen beiden Brüdern herzlich willkommen geheissen. Alle waren stolz uns bei sich zu haben. Anfangs fühlten wir uns etwas unbehaglich von all der Güte und Grosszügigkeit seiner Familie. Doch bald schon liessen wir zu, Teil ihrer Familie zu werden.

Vinz zeigte uns in kürzester Zeit alles Sehenswerte der Stadt Danao. Immer wieder kamen andere Chiro Leader/innen hinzu, bis wir schliesslich eine grössere Gruppe waren. In aller Selbstverständlichkeit luden sie uns immer wieder zu sich nach Hause ein und stellten uns ihren Familien vor. Überall gab es etwas zu essen. Auf den Philippinen ist es Brauch am Silvesterabend sehr viel zu essen. Denn die Tradition besagt: So viel wie man am Silvester auf dem Tisch hat, so viel wird auch das ganze Jahr auf dem Tisch stehen.

Und so war es auch beim Abendessen bei Vinz` Familie. Der Tisch war voll mit leckeren Speisen: Von Reis über Spaghetti, Poulet, Lumpia (philippinische Frühlingsrollen) bis Gemüse. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen haben, gingen wir nochmals auf die Strasse, um das Treiben um Mitternacht mitzuerleben. So kam es dass wir um Mitternacht einmal mehr bei einer Familie einer Chiro-Leaderin eingeladen waren und wieder einen Teller mit Essen in die Hand gedrückt bekamen.

Dann war er soweit: Mitternacht. Mit viel Krach, lautem Feuerwerk und Gejubel wurde das neue Jahr willkommen geheissen. Überall waren Leute auf der Strasse. Die Kinder hüpften auf und ab, damit sie während diesem Jahr auch ja grösser wurden, und die Erwachsenen schüttelten ihren Geldbeutel oder eine Dose mit Münzen, damit auch während diesem Jahr genügend Geld vorhanden ist. Nach Brauch auf den Philippinen wird lautstark mit Lärm und Feuerwerk gefeiert, damit alles Böse und Schlechte aus dem Haus gejagt wird.

Als wir nach dem ganzen Gejubel und Feiern wieder zurück zum Haus von Vinz‘ Familie kamen, hatte seine Mutter bereits das Dessert vorbereitet. Viele kleine Süssigkeiten, die den Namen Süssigkeiten wirklich verdienten. Doch auch nach dem Dessert war noch nicht genug mit essen. Denn Vinz` Tanten, die direkt nebenan wohnen, liessen es sich natürlich nicht nehmen uns auch noch einzuladen und uns von ihrem Neujahrsbuffet kosten zu lassen.

Zusammensein und Gemeinschaft haben wir während diesen zwei Wochen ganz besonders erlebt. Nicht nur an Silvester bei Vinz` Familie. Immer wieder wurden wir innert kürzester Zeit Teil der grossen und herzlichen Chiro-Familie. In Asien wird die Gemeinschaft ganz stark gelebt.

Entsprechend schwer fiel uns dann auch immer wieder das Abschiednehmen von allen, die wir auf dieser Reise kennen lernen durften. Viele Umarmungen und liebe Abschiedsworte begleiteten uns bis nach Hause in die Schweiz. Und dort hiess es dann auch Abschiednehmen von unserem Dreierreisegrüppli. Ohne uns vorher wirklich gekannt zu haben, starteten wir in dieses Abenteuer. Und der Jubla-(Chiro)-Groove hat wieder einmal wunderbar funktioniert. Viele Gespräche, tolle (neue) Spiele, lachen, unvorhergesehene Herausforderungen, spannende Erlebnisse – wir haben viele gemeinsame Erinnerungen an die Reise zu den Chiro in die Philippinen.

Mehr Informationen

Mehr Informationen über die Partnerschaft zwischen Jungwacht Blauring Schweiz und den Chiro Philippinen findest du unter jubla.ch/philippinen.